Compliance - was ist erlaubt?

Compliance und Werbeartikel sind ein ständiges Thema und sorgen häufig für viel Gesprächsstoff innerhalb von Firmen. Eigentlich wollen Sie Ihrem wichtigen Geschäftspartner nur etwas Gutes tun oder Ihren langjährigen Kunden ein hochwertiges Dankeschön schenken, aber was ist erlaubt und was nicht? Es gibt zwar gesetzliche Vorgaben für Werbemittel und deren Versteuerung. Aber wie sieht es mit der Werbeartikel-Compliance aus? Wir zeigen Ihnen, was erlaubt ist und worauf Sie achten müssen, um bedenkenlos und erfolgreich zu werben.

Sind Werbegeschenke verboten?

Kurz und knapp: Nein! Werbegeschenke werden zwar häufig als persönliche Präsente missverstanden, sind jedoch ein in großer Stückzahl produzierter Artikel mit Werbeanbringung, der einen Empfänger nicht in unlauterer Weise beeinflussen kann. Werbegeschenke und Streuartikel gelten als kleine Aufmerksamkeiten, die nicht als Bestechung angesehen werden und somit keine strafrechtliche Relevanz haben.

"Sie sind Werbeträger, nicht Geschenke im Sinn einer persönlichen Zuwendung. Und deshalb sind sie auch nicht geeignet, ihren Empfänger in unlauterer Weise zu beeinflussen"  Prof. Dr. Hans Rück, Fachhochschule Worms.

Wenn man sich die steuerrechtliche Betrachtung von Werbeartikeln anschaut, verwundert es nicht, dass viele Firmen lieber vorsichtiger bei der Wahl ihrer Werbegeschenke sind. Daher verschenken sie häufig nur günstige Streuartikel auf Messen und anderen Veranstaltungen, statt höherwertige Geschenke zum Beispiel an Weihnachten direkt an den Kunden oder Partner zu verschicken. Unabhängig davon, ob es ein günstiger Kugelschreiber ist, eine hochwertige Powerbank, oder auch mal das teurere Weinset als Weihnachtsgeschenk ist. Jeder dieser Artikel ist als Werbegeschenk nicht verboten. Mit der Besteuerung hat Compliance im Übrigen auch nichts zu tun.

Ist der Einsatz von Werbeartikeln problematisch?

Nein, denn aus Compliance-Sicht werden Werbeartikel und Streuartikel bis zu einem Wert von 50 EUR als “kleine Aufmerksamkeiten” angesehen. Zu finden ist die Regelung im „Kodex zur Abgrenzung von legaler Kundenpflege und Korruption“ des Arbeitskreises Corporate Compliance. Der Kodex gilt für alle Branchen, mit Ausnahme vom Gesundheitswesen, wo bei Werbegeschenken der sogenannte Pharma-Kodex gültig ist. Auch in der öffentlichen Verwaltung gelten teilweise strenge Vorschriften, wodurch ein Werbegeschenk als sehr kritisch eingestuft wird.

Sind Werbeartikel und Streuartikel dasselbe wie Werbegeschenke?

Nein. Werbegeschenke werden irrtümlich mit persönlichen Geschenken verwechselt. Diese Geschenke sind als persönliche Zuwendungen einzustufen. Sie können beim jeweiligen Empfänger ein Gefühl der Verpflichtung gegenüber dem Schenker hervorrufen. Wohingegen Werbegeschenke massenhaft produzierte, mit einer Werbeanbringung versehene Artikel sind. Die Werbeartikel werden nicht personenspezifisch hergestellt und haben darüber hinaus im Allgemeinen einen geringen Wert. Somit sind Werbe- und Streuartikel ungeeignet, um zur unlauteren Beeinflussung des Empfängers zu zählen.

Können Werbemittel das Entscheidungsverhalten beeinflussen?

Werbemittel haben den Zweck, durch Präsentation des Markenlogos oder -namens eines Produktes oder Unternehmens, das Verhalten des Empfängers zu beeinflussen. Aber das ist weder verwerflich noch gesetzwidrig! Unzulässig ist es nur, wenn es zu einer sogenannten unlauteren Beeinflussung bzw. Bestechung kommt: Die Zuwendungen müssten in diesem Fall die persönliche, wirtschaftliche oder rechtliche Lage des Empfängers verbessern. Werbeartikel sind hiervon definitiv nicht betroffen, da sie lediglich eine kleine Aufmerksamkeit für Kunden, Mitarbeiter und Partner sind. Wer Werbemittel also verbieten wollen würde, müsste auch jegliche Form der Werbung verbieten. Denn Werbung agiert als unverzichtbarer Antrieb für den Wettbewerb innerhalb der Marktwirtschaft.

Gibt es eine gesetzlich festgelegte Wertobergrenze für Werbe- und Streuartikel?

Nein, in Deutschland existiert derzeit keine gesetzlich festgelegte Wertobergrenze für Werbe- und Streuartikel. Dies gilt ebenfalls für Geschenke und allgemeine Zuwendungen. Mögliche Obergrenzen werden somit nur vom jeweiligen Unternehmen festgelegt. Viele orientieren sich hierbei an dem zuvor genannten Kodex und dem Maximalwert von 50 Euro je Stück. Demzufolge verstoßen auch höherwertige Werbeartikel, wie qualitative Bluetooth-Lautsprecher oder hochwertige Powerbanks, nicht gegen Compliance-Richtlinien. Sie können also nicht nur entspannt Kugelschreiber bedrucken, sondern auch Powerbank Werbemittel einsetzen.

Sind die steuerrechtlichen Wertobergrenzen relevant für die Compliance von Werbeartikeln?

Nein, denn die 35-Euro-Grenze bezieht sich nur auf die steuerliche Absetzbarkeit von Zuwendungen, nicht auf Werbe- und Streuartikel. Ebenfalls ist die 10-Euro-Grenze lediglich die sogenannte  steuerliche Einzelnachweispflicht und keine Compliance-Vorschrift. Somit sind beide Wertobergrenzen aus Sichtweise der Compliance bedeutungslos.

Wie lauten die Empfehlungen des Arbeitskreises Corporate Compliance?

  • Unbedenklich: Zuwendungen mit einem Wert bis 50 Euro

  • Mit Genehmigung durch Vorgesetzten: Zuwendungen mit einem Wert über 50 Euro

  • 50-Euro-Grenze gilt pro Zuwendung – nicht je Person und Jahr

Warum sollten Sie Werbeartikel einsetzen?

In einer Studie des GWW (Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft e. V.) konnte nachgewiesen werden, dass haptische Werbung gute Ergebnisse in den Bereichen Verbreitung, Reichweite und Werbewirkung erzielt. Im Vergleich mit anderen Kommunikationsmitteln hat der Einsatz von Werbeartikeln den positivsten Einfluss auf den Erinnerungswert und die Kundenbeziehungen.

Kurzer Hinweis noch in eigener Sache: Wir sind ein Experte für Werbeartikel und Werbegeschenke. Dieser Beitrag ist deshalb keine Rechts- und/oder Steuerberatung und kann keine individuelle Hilfe durch einen Anwalt oder Steuerberater ersetzen.